Content-Management-Systeme - oder: Das Geschäft mit der Unwissenheit

Sigrun Lingel
März 2004

Schon einmal gehört von dem Angebot: Content-Management-System (oder auch Redaktions-System genannt) ermöglicht ohne HTML-Kenntnisse von jedem Ort der Erde aus, die eigene Web-Seite ständig zu aktualisieren. Lediglich ein Internetzugang sowie das betreffende Passwort sind hierfür notwendig. Besonders geeignet seien Content-Management-Systeme für kleine und mittelständische Unternehmen, für Handwerk, Stadtinformationen, Vereine ...

Gerade die sind ständig weltweit unterwegs, deshalb muss ihr Bedürfnis befriedigt werden, ihren Internetauftritt tatsächlich von jedem Ort der Erde aus optimieren zu können. Und der Manager des globalen Unternehmens, der mehr im Flugzeug als in seinem Büro sitzt, hat tatsächlich keine Mitarbeiter/innen, die ihm diese Arbeit abnehmen?

Hinterfragt mensch Sinn und Zweck eines Content-Management-Systems wird sehr schnell sichtbar, worum es eigentlich geht. Besitzer/innen von Internetseiten sollen gebunden werden an die, welche entsprechende Systeme anbieten mit Vertragslaufzeiten und monatlichen Raten. Die Aktualisierung des Internetangebotes erfolgt natürlich online, woran die betreffende Telefongesellschaft ein Interesse hat. Und da nichts und niemand vor Angriffen im Internet sicher ist, braucht es auch noch die dazugehörende Sicherheitssoftware, auch die gibt es mit Vertragslaufzeiten und monatlichen Raten.

Das Internet, welches in den 90iger Jahren Ausdruck der Emanzipation von Nutzer/innen war, verkommt immer mehr zum Geschäft. War es noch in den 90igern selbstverständlich, sich die Grundlagen von HTML anzueignen, wird nun suggeriert, dass dies nicht mehr notwendig sei. Es ist nichts anderes als wenn mensch sagt, dass Lesen und Schreiben nicht mehr notwendig sei, weil da jemand ist, der uns dies abnimmt. Es bildet sich ein neues Herrschaftswissen. Die Klassenteilung ist nicht mehr zwischen denen, die abhängig beschäftigt sind und denen, die es nicht sind. Sie bildet sich neu heraus mit der Nutzung des Internets: Die einen, die bestimmen, wie es funktioniert und die anderen, die hinnehmen, was die einen ihnen zu konsumieren vorgegeben haben.

Dieser gefährlichen Entwicklung ist Bildung entgegen zu setzten, die als Ziel den freien und mündigen Menschen hat. Gerade die PDS mit ihrer Forderung nach lebensbegleitendem Lernen sollte hier eine Vorbildrolle spielen, in dem sie eine Gegenbewegung in Gang setzt, welche die eigenen Mitglieder und Mitarbeiter/innen befähigt, dass Internet jetzt und in Zukunft selbstbestimmt zu nutzen. Hierzu gehört das Erlernen der Grundlagen von HTML aber auch, Internetauftritte von PDS-Gliederungen offen für die gesellschaftliche Diskussion zu gestalten und in Zukunft zu halten.